DAS JAHRESPROGRAMM 2026 IM KUNSTHAUS MERAN
Kunst Meran präsentiert das Kulturprogramm für 2026, das sich zwischen Kunst und Architektur, kuratorischer Forschung und partizipativen Praktiken bewegt und einen besonderen Fokus auf gesellschaftliche, politische und geschlechterbezogene Fragestellungen legt. Das Jahresprogramm umfasst drei bedeutende Ausstellungsprojekte, eine Künstlerresidenz sowie zahlreiche öffentliche Veranstaltungen.
Das Programm setzt sich kritisch mit gängigen Erzählungen über Europa auseinander. Dabei kommen auch trikontinentale und diasporische Perspektiven zu Wort, die die traditionellen Gründungsmythen Europas hinterfragen. Andererseits eröffnet das Programm Dialog- und Beteiligungsräume, die der Stadt Meran gewidmet sind und Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpfen. Dieser Ansatz zieht sich zudem wie ein roter Faden durch die im Kunsthaus kuratierten Projekte.
Das neue Programm beginnt im Anschluss an die derzeit laufenden Ausstellungen Franz Wanner – Eingestellte Gegenwarten. Bilder einer Ausbeutung, kuratiert von Kristina Kreutzwald und Martina Oberprantacher, sowie AlpiTypes. Buchstaben Bilder Spuren, kuratiert von Antonino Benincasa, Massimo Martignoni und Anna Zinelli. Beide Ausstellungen sind noch bis zum 18. Januar 2026 zu sehen und bieten Workshops und Führungen.
René Francisco – Cómplice
Den Auftakt des Programms 2026 bildet Cómplice, die erste Einzelausstellung des kubanischen Künstlers René Francisco (*1960 in Holguín, Kuba; lebt und arbeitet in Madrid, Spanien) in Italien, die vom 21. Februar bis 25. Mai 2026 zu sehen ist.
Die Ausstellung ist Teil des dreijährigen Programms The Invention of Europe, konzipiert und kuratiert von Lucrezia Cippitelli und Simone Frangi, das die monolithische Vorstellung Europas und ihre Selbsterzählung hinterfragt. Cómplice bildet den Abschluss des zweiten Programmjahres, das den Beziehungen zwischen Europa und Abya Yala (Lateinamerika aus dekolonialer Perspektive) gewidmet ist.
Als zentrale Figur der kubanischen und internationalen zeitgenössischen Kunst beschäftigt sich René Francisco mit den Wechselwirkungen zwischen Kunst, Gesellschaft und Pädagogik. Die Ausstellung Cómplice zeichnet den Werdegang des Künstlers über mehr als vier Jahrzehnte nach. Gezeigt werden großformatige Installationen, Filme, Zeichnungen, Gemälde und pädagogische Projekte.
Im Mittelpunkt steht das Thema der „Kompliz*innenschaft“ – jenes Gefühl tiefer, nicht hierarchischer emotionaler Verbundenheit innerhalb sozialer, politischer, erzieherischer und affektiver Beziehungen. Zusammenarbeit, Teilhabe, Freundschaft, Pädagogik und gemeinschaftliches Engagement sind dabei zentrale Aspekte.
Begleitend zur Schau wird der Künstler in Zusammenarbeit mit der Sozialgenossenschaft Ginko und CoWorking della Memoria ein neues partizipatives Projekt in Meran realisieren. Zudem wird er mit dem Festival Sonora einen musikalischen Abend gestalten, der thematisch an die Ausstellung anknüpft.
Raziel Perin – Vitruvian Man
Parallel zur Ausstellung Cómplice wird Kunst Meran vom 24. April bis 8. Mai 2026 den italo-dominikanischen Künstler Raziel Perin (*1992 in Hato Mayor del Rey, Dominikanische Republik) im Rahmen einer Künstlerresidenz begrüßen. Während seines Aufenthalts in Meran wird Perin das Performance-Projekt Vitruvian Man entwickeln, das am Ende der Künstlerresidenz der Öffentlichkeit vorgestellt wird.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung von Männlichkeit in familiären und kulturellen Kontexten, sowohl in Italien als auch in der Dominikanischen Republik. Im Fokus steht die Dekonstruktion toxischer Männlichkeitsbilder und deren Verbindung zu Gewalt, Verfolgung und transgenerationalem Trauma innerhalb der afrikanischen Diaspora sowie in der Dominikanischen Republik. Das Forschungsprojekt wird von der Generaldirektion für zeitgenössische Kreativität des italienischen Kulturministeriums im Rahmen des Programms Italian Council (14. Ausgabe, 2025) unterstützt, das der internationalen Förderung zeitgenössischer italienischer Kunst dient.
Animacies
Mit der vom 7. Juni bis 11. Oktober 2026 laufenden Ausstellung Animacies beginnt das dritte und letzte Jahr des kuratorischen Programms The Invention of Europe. Dieses ist den Verflechtungen zwischen Europa und Asien gewidmet.
Die Ausstellung zeigt die moderne Geschichte asiatischer Länder im Zusammenhang mit Kulturen, die bereits vor der europäischen Expansion existierten. Zu sehen sind asiatische Werke und Objekte aus verschiedenen italienischen Museen im Dialog mit zeitgenössischen künstlerischen Produktionen von in Europa lebenden Künstler*innen asiatischer Herkunft.
Das Projekt rückt Regionen in den Fokus, die in kontinentalen Erzählungen über Asien häufig marginalisiert werden. Gleichzeitig erzählt es Geschichten aus dem Trentino und Südtirol, wobei der Fokus auf Gemeinschaften, Familienstrukturen und Geschlechterrollen liegt. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem MAO – Museo d’Arte Orientale in Turin und der Centrale Fies in Dro (Trient).
Stadtraum Meran – gestern, heute, morgen?
Den Abschluss des Programms 2026 bildet die vom 24. Oktober 2026 bis 17. Januar 2027 zu sehende Ausstellung Stadtraum Meran – gestern, heute, morgen?, die von Andreas Kofler kuratiert wird. Sie erzählt von den städtebaulichen Transformationen Merans in der Vergangenheit, von seiner Wahrnehmung in der Gegenwart und fragt nach möglichen zukünftigen Entwicklungen hin zu einer inklusiveren Stadt, die die Bedürfnisse verschiedener Sprach-, Kultur- und Generationengemeinschaften von Einheimischen, neuen Bürger*innen und Gästen berücksichtigt.
Das Projekt untersucht neue Formen des Zusammenlebens im Kontext aktueller Herausforderungen, einschließlich der Klimakrise, und gliedert sich entlang von sieben zentralen Themen der Stadtentwicklung: Landschaftsraum, Sozialraum, Wohnraum, Freiraum, Wirtschaftsraum, Verkehrsraum und Kulturraum. Begleitend zur Ausstellung finden das Forum Stadtraum Meran – gestern, heute, morgen? sowie die Veröffentlichung einer Sonderausgabe der Zeitschrift TURRIS BABEL der Architekturstiftung Südtirol statt. Darüber hinaus ist die Ausstellung Teil eines umfassenden Netzwerks von Kooperationen und wird von der Kunst Meran – Fachgruppe Architektur begleitet.
Bildung und Vermittlung
Auch 2026 kuratiert Kunst Meran ein vielfältiges Angebot an Bildungs- und Vermittlungsprogramm wie zum Beispiel ein umfangreiches künstlerisches Beteiligungsprogramm im öffentlichen Raum.
NEUE ÖFFNUNGSZEITEN IM KUNSTHAUS
Ab 2026 erweitert Kunst Meran seine Öffnungszeiten:
Donnerstags ist der Ausstellungsraum nun bis 20 Uhr geöffnet. Die Öffnungszeiten an den übrigen Tagen bleiben unverändert: Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag von 10 bis 18 Uhr; Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Montag ist Ruhetag.
21.02 - 25.05.2026
René Francisco – Cómplice
The Invention of Europe. Year 2
Kuratiert von Lucrezia Cippitelli und Simone Frangi
24.04 - 08.05.2026
Künstlerresidenz Raziel Perin – Vitruvian Man
Kuratiert von Lucrezia Cippitelli und Simone Frangi
Mit Unterstützung des Italian Council
07.06-11.10.2026
Animacies
The Invention of Europe. Year 3
Kuratiert von Lucrezia Cippitelli und Simone Frangi
In Dialog mit dem MAO – Museo d’Arte Orientale (Turin) und der Centrale Fies (Dro, Trient)
24.10.2026-17.1.2027
Stadtraum Meran - gestern, heute, morgen?
Kuratiert von Andreas Kofler


