Wer ist noch österreichisch?

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29.4 – 9.9.2017

Anmeldung

Runo Lagomarsino, Sea Grammar, 2015. Photocredit: Andreas Meck and Terje Östling. Courtesy the artist, Nils Staerk, Copenhagen, Mendes Wood DM, São Paulo and Francesca Minini, Milan.Installation view Kunst Meran Merano Arte, 2017. Foto Ivo Corrà
Renato Leotta, Come nascono le stagioni, 2017. Courtesy the artist and Galleria Fonti, NaplesInstallation view Kunst Meran Merano Arte, 2017. Foto Ivo Corrà
Nicolò Degiorgis, Menschen ohne Eigenschaften. Courtesy the artist. Installation view Kunst Meran Merano Arte, 2017. Foto Ivo Corrà

Mit Werken von
Nicolò Degiorgis, Francois-Xavier Gbrè, Runo Lagomarsino, Sonia Leimer, Renato Leotta.

Kuratiert von
Luigi Fassi

Anlässlich der Feierlichkeiten zur 700-jährigen Verleihung der Stadtordnung an Meran, hinterfragen 5 Künstler - Nicolò Degiorgis, François-Xavier Gbré, Runo Lagomarsino, Sonia Leimer, Renato Leotta - die historischen und sozialen Veränderungen dieser Südtiroler Stadt.

Der Ausstellungstitel nimmt Bezug auf einen Artikel in der Tiroler Soldaten Zeitung vom 20. August 1916. Die Redaktion befand sich in Bozen und veröffentlichte einen Artikel mit dem Titel „Bin ich ein Österreicher?”. Autor des Beitrages ist der Chefredakteur der Zeitung, Unterleutnant Robert Musil. Von welcher Nationalität ist hier die Rede?

„Bin ich ein Österreicher, wenn ich in Wien, Graz, Triest oder Trient heimatsberechtigt bin?” „Überflüssige Frage,” wird man mir antworten, „selbstverständlich bist Du ein Österreicher!” Und doch ist diese Frage gar nicht unberechtigt […]. Frage nur einen Bauern in Galizien, einen Schuster in Krain, einen Advokaten in Böhmen, einen Lehrer in Wien, einen Geistlichen in Nordtirol und einen Richter in Südtirol, was sie sind. Du bekommst ganz sicher die Antwort: ein Pole, ein Slowene oder vielleicht ein Krainer, ein Deutschböhme oder ein Tscheche, ein Niederösterreicher oder allenfalls ein Deutschösterreicher, ein Tiroler, ein Italiener. Kein einziger wird auf Deine so einfache Frage ebenso einfach antworten: „Ich bin ein Österreicher!“

Das Ausstellungsprojekt nimmt auf diese Zeilen Musils Bezug und versucht 100 Jahre nach dem Erscheinen des Beitrages Geschichten, Fragen und Interpretat¬ionen aufzuwerfen, die mit historischen und sozialen Veränderungen in Meran in Zusammenhang stehen. Man könnte in Musils Text auch “österreichisch” durch “europäisch” ersetzen. Just in einer Zeit, in der sich der europäische Gedanke in einer schweren Krise befindet, versucht „Wer ist noch Österreichisch?” das Erbe und die multikulturelle Geschichte Merans aufzugreifen und daraus eine umfassende Reflexion der gegenwärtigen Situation entstehen zu lassen.
Die Geschichte Merans ist in Analogie zu jener Südtirols die Geschichte einer ständigen Suche nach Eigenständigkeit: Von der Napoleonischen Besetzung, als Teil Österreich-Ungarns bis zu den Bestrebungen zum Schutz und Ausbau seiner Autonomie nach den beiden Weltkriegen. Meran ist aber auch ein kleines Weltbürgertum, das auf Mehrsprachigkeit, dem Dialog zwischen Nord und Süd und seiner Lage an der Schnittstelle der mitteleuropäischen und mediterranen Kultur fußt. 
Die Geschicke an der Passer sind durch die Tradition als Kurstadt geprägt - und damit auch durch Zuwanderung und Multikulturalität.

Die Ausstellung umfasst neue Arbeiten von fünf Künstlerinnen und Künstlern, die eigens zum Thema der Ausstellung entstanden sind. Die Künstler stammen aus europäischen und außereuropäischen Ländern, auch aus Italien und Südtirol. Jeder von ihnen war zu über einen längeren Zeitraum als Artist in residence Gast bei Kunst Meran und konnte sich dadurch mit der Stadt, ihrer Geschichte, Architektur, Landschaft und sozialen Struktur befassen. Dem Besucher bieten die Werke der Ausstellung neue Interpretationsmodelle der Gegenwart an. Das Projekt ist somit nicht nur eine Ausstellung über Meran, sondern auch eine Erzählung von seiner jüngsten Geschichte und von den derzeitigen epochalen Veränderungen innerhalb der europäischen Gesellschaft und der globalisierten Welt.