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Cul zuffel e l’aura dado

Gion A. Caminada

Gion A. Caminada. Foto: L. DegondaGion Caminada ist einer der Hauptvertreter der aktuellen Schweizer Baukultur und genießt international hohes Ansehen. Seit etwa zehn Jahren setzt er sich mit seinem Heimatort Vrin in der Val Lumnezia auseinander, wo er nicht nur als Architekt und Dorfplaner fungiert, sondern auch auf politischer Ebene tätig war.

Nachdem die Gemeinde Vrin immer mehr Einwohner durch Abwanderung verlor, wurden Strategien erarbeitet, die dem weiteren Sinken der Bevölkerungszahl entgegenwirken und damit den Weiterbestand des Dorfes auf der Basis seiner agrikulturellen Struktur sichern sollten. Die Rationalisierung der landwirtschaftlichen Methoden hatte aber zur Folge, dass für die bäuerliche Produktion neue Wirtschaftsbauten errichtet werden mussten. Ihre architektonische Gestaltung stammt von Gion Caminada, der mit seinen Entwürfen auch dafür verantwortlich zeichnet, dass das geschlossene historische Ortsbild von Vrin und das der benachbarten Weiler nicht wie andernorts zerstört wurden. Für seine Heimatregion entwickelte er Bauten, deren Ästhetik genauso hoch ist wie ihre Traditionsverbundenheit und ihre Funktionalität. Die Gemeinde ist aufgrund ihrer für den gesamten Alpenraum vorbildlichen Baukultur mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Arge-Alp-Preis 2004.
Neben einer Vielzahl von Wirtschaftsbauten und Wohnhäusern tragen auch das Schulhaus von Duvin und das "Unterhaus", ein Mädcheninternat der Klosterschule von Disentis, Gion Caminadas architektonische Handschrift. Jüngst trat er mit dem Umbau des kleinen Hotels Alpina in Vals hervor.

Der Titel der Ausstellung, "Cul zuffel e l'aura dado", kann als "Architektur mit den Winden" übersetzt werden: "Zuffel" ist die traditionelle Bezeichnung der Einwohner von Vrin für einen rauen, stürmischen, aber nicht allzu kalten Wind aus dem Süden. Er bläst von den Bergspitzen und der angrenzenden Hochebene Greina in die Val Lumnezia herunter (in unseren Breiten mit der Dramatik eines Föhnsturmes vergleichbar). "L'aura dado" ist trotz ihres lyrischen Namens kein mildes Lüftchen. Sie ist eher eine kalte, bissige Brise, die aus dem Norden über die entlegenen Orte des Tales hereinfegt. Jede der beiden Luftströmungen bringt unterschiedliche Informationen in das Tal oder führt zu einer spezifischen Prägung der hier lebenden Menschen und der sie umgebenden Natur.

"Cul zuffel e l'aura dado" als Ausstellungstitel ist als Summe der Aspekte zu verstehen, die Gion Caminada am Weg vom Schreiner zum Architekten begleitet und beeinflusst haben. Als anerkannter Baukünstler ist er 1999 einem Ruf an die renommierte ETH, die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, gefolgt, wo er seither eine Assistenzprofessur innehat.

Biografie Gion A. Caminada

Geboren 1957 in Vrin
Ausbildung zum Bauschreiner
Besuch der Kunstgewerbeschule
Nachdiplomstudium Architektur ETH
Architekturbüro in Vrin
Seit 1998 Assistenzprofessor an der ETH in Zürich für Architektur und Entwurf

Werkverzeichnis

Orts- und Gestaltungsplanung, Vrin
Um- und Neubau Gemeindehaus, Vrin
Neubau Gemeindehalle, Vrin
Neubau Schulhaus, Duvin
Wohnhäuser und Ställe, Val Lumnezia und Surselva
Wohnhaus Walpen, Blatten/VS
Telefonkabine, Vrin
Schlachthaus für Direktvermarktung, Vrin
Totenstube (Stiva da morts), Vrin
Umbau Hotel Alpina, Vals
Neubau "Unterhaus", Mädcheninternat der Klosterschule, Disentis

Auszeichnungen

Auszeichnung vorbildhafter Bauten im Kanton Graubünden 1994 und 2001, Geißenalp, Vrin; Wohnhaus Segmüller, Vignogn; Schule, Duvin
SAB Preis der Schweizer Arbeitsgemeinschaft für das Berggebiet
Bruckmann Umweltpreis, München
Eidgenössischer Preis für freie Kunst
Architekturpreis für Bauökologie, Gemeindehalle, Vrin
Prix Lignum, Ställe und Schlachthaus, Vrin
Internationaler Preis für Neues Bauen in den Alpen von "Sexten Kultur", Orts- und Gestaltungsplanung, Vrin; Schule, Duvin
Anerkennungspreis der Graubündner Regierung
Holzbaupreis Graubünden, Stiva da morts
Arge-Alp-Preis 2004, "architektur-formen-alpen-gestalten", Orts- und Gestaltungsplanung, Vrin

Verschiedene Preise bei Architekturwettbewerben