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Maik und Dirk Löbbert - Innanaußen

Eröffnung: 17. Juli 2008
Dauer: 18. Juli - 21. September 2008
Kurator: Valerio Dehò

Kunst und Wirklichkeit – das sind die beiden zentralen Pole im Werk von Maik und Dirk Löbbert. Ihr Ziel: Die Trennung zwischen den beiden Bereichen aufzulösen, so dass sie fließend ineinander übergehen und eine Einheit bilden. Die Frage nach dem Ort der Kunst und deren gesellschaftlicher Akzeptanz ist dabei für die beiden Brüder von zentraler Bedeutung. Um die Kunst in den Alltag und in die Gesellschaft zu integrieren, arbeiten sie nicht nur im institutionellen Kunstkontext für ein kunstinteressiertes Publikum, sondern auch im öffentlichen Raum für die zufällig vorbeikommenden Passanten. Ihre Arbeiten platzieren sie dabei nie an den kulturhistorischen oder touristischen Höhepunkten, den allgemein bekannten und beliebten Postkartenmotiven, sondern an den Un-Orten, den unbeachteten „Sehenswürdigkeiten“, die in jeder Stadt existieren.

Die Arbeiten von Maik und Dirk Löbbert bestehen oft aus nur minimalen Veränderungen, kaum wahrnehmbaren Interventionen, die sich stets wie ein Chamäleon ihrer Umgebung anpassen und daher meist erst auf den zweiten Blick sichtbar werden. Diese ortsspezifischen Eingriffe sind das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten der jeweiligen Situation. Dabei wird das Vorhandene von den beiden Brüdern sorgfältig analysiert, um die Besonderheit des jeweiligen Ortes, seine charakteristischen und spezifischen Eigenheiten, herauszufiltern. Für ihre „subversiven Interventionen“ verwenden die beiden Künstler dann überwiegend die Materialien und Elemente, die sich bereits an dem jeweiligen Ort befinden und seine Eigenart ausmachen. So gelingt es ihnen, zwischen dem Kunstwerk und seiner Umgebung eine untrennbare Einheit herzustellen, in der der Unterschied zwischen Vorgefundenem und Gestaltetem aufgehoben wird und die Polarität von Kunst und Wirklichkeit zu einer Symbiose geführt wird: Der Kontext wird zum Inhalt der Arbeit und die Arbeit zum Bestandteil des Kontextes.

Parallel zu den skulpturalen Werken entstehen seit Anfang der 90er Jahre Fotoarbeiten mit Entwürfen für ortsbezogene Interventionen. Im schicken Badeort an der italienischen Riviera, im pittoresken Dorf mitten im Bayerischen Wald und im unüberschaubaren Häuserdschungel einer koreanischen Großstadt – überall fotografieren Maik und Dirk Löbbert die architektonischen Situationen, deren Eigenheiten sie besonders interessieren. Diese Aufnahmen mit der vom Menschen gestalteten Umwelt bilden dann den Ausgangspunkt für virtuose und von der Wirklichkeit losgelöste „Kunststücke“: Elemente werden eingefügt, verändert, eliminiert oder verrückt, ohne dass die beiden Brüder auf die Realisierbarkeit der jeweiligen Idee achten. Dabei verschiebt sich der künstlerische Fokus von der abgebildeten dreidimensionalen Situation hin zur Zweidimensionalität des Fotos, so dass ein ebenso facettenreiches wie irritierendes Wechselspiel zwischen Fläche und Raum, Abbild und Wirklichkeit, Realität und Fiktion entsteht.

Die permanente Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld, das zwischen beiden Polen Kunst und Wirklichkeit herrscht, führt Maik und Dirk Löbbert immer wieder zu neuen Lösungen. Sowohl in ihren minimalen ortsbezogenen Interventionen, als auch in ihren Fotoarbeiten verknüpfen sie kunstexterne Kontexte und kunstinterne Fragestellungen auf unterschiedlichen Ebenen so miteinander, dass der Betrachter angeregt wird, sich mit der vielschichtigen Beziehung zwischen den Bereichen Wirklichkeit und Kunst auseinanderzusetzen. Minimale Eingriffe mit maximaler Wirkung.