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State of STATE OF FLUX, Delugan Meissl

Eröffnung: 19. April 2002
Dauer: 20. April - 09. Juni 2002
Kuratoren: Sabine Dreher, Christian Muh

Der Zustand permanenter Veränderung erscheint nicht nur als einzig stabile und allgemein plausible Charakterisierung der aktuellen gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, sondern beschreibt auch die Ausgangssituation jener Akteure, die auf diese sich rasant verändernden Verhältnisse gestalterisch reagieren. Seit jeher besitzt Architektur als die gestalterische Disziplin par excellence Kraft ihrer spezifischen Aufgaben und Möglichkeiten hohe gesellschaftliche Relevanz und öffentliche Exponiertheit. Zeitgenössische Architektur sieht sich längst nicht nur durch den "state of flux" in allen Bereichen herausgefordert, sondern die Konturen der ehemals so soliden Profession selbst haben sich zunehmend verflüssigt, während sie umgekehrt über die klassischen Tätigkeitsfelder hinaus, ständig in neue Bereiche expandiert.
In Hinblick auf diesen Befund kann die Arbeitsweise des Architekturteams Delugan_Meissl als exemplarisch gelten. Gegenüber den massiven Veränderungen der Gegenwart nehmen sie eine offene Haltung ein, d.h. sie benutzen diese Veränderungsprozesse um dezidiert zeitgenössische Architektur zu generieren. Ihre Auseinandersetzung mit neuen Kommunikationsmitteln, Materialentwicklungen, Benutzerprofilen, Betriebsabläufen, Finanzierungsmodellen etc. erfolgt dabei immer mit dem Ziel, diese neuen Parameter zu Gunsten der Benutzer in die Gestaltung zu integrieren.
Die Ausstellung "state of flux" präsentiert gebaute und geplanten Projekte des Wiener Büros und illustriert gleichzeitig die vielfältigen Rollen, in denen die jüngere Architektengeneration agiert. In fünf Kapitel gegliedert, vermittelt "state of flux" nicht nur die thematischen Schwerpunkte innerhalb des breiten architektonischen Spektrums von "Delugan_Meissl" sondern auch die dahinterstehenden Konzepte und Entwurfsstrategien.
Schließlich fungiert der Titel auch als Annäherung an die gestalterische Handschrift des Teams, in der sich skulpturale und fluide formale Elemente zu einer markant modernen Stilistik verbinden. "Primarily private" zeigt Szenarien zeitgenössischen Wohnens mit ihren charakteristischen Unschärferelationen zwischen Leben, Wohnen und Arbeiten als Auftakt der Ausstellung. Zwei aktuelle Privathaus-Projekte demonstrieren nicht nur Aspekte vom "Living in the flux" sondern auch die Stadien der konkreten Formfindung sowie die Experimente mit neuen Materialien und Technologien.
Die Bedeutung der Landschaft als Entwurfsmetapher sowie die zentrale Rolle der Topographie für die Projektentwicklung bei Delugan_Meissl wird im Kapitel "genius loci revisited" durch eine Serie von großteils unrealisierten Entwürfen für private Villen nachvollziehbar gemacht.
Der dritte thematische Abschnitt "deep surface" fokussiert auf die zahlreichen Entwürfe und Realisierungen im Hochhausbau und untersucht die Funktion der Fassade als Interface. Entwürfe für Flughäfen, Bahnhöfe, Stellwerke und die italienische Raumfahrtsbehörde ASI in Rom bilden den Schwerpunkt im bereich "more than mobility". Die Beispiele zeigen Architektur an der Schnittstelle von Städtebau, Verkehrsplanung und komplexer Logistik. Projekte wie das horizontalen Wohnhochhaus Balken als Landmark der Wiener Donau-City oder die knapp an der Realisierung gescheiterten Doppelhochhäuser Twin Tower auf dem Wienerberg führen "dense dialogues" nicht nur mit den Traditionen der Moderne, sondern auch mit der gegebenen Topographie sowie den konkreten Bedürfnissen der Benutzer und Bewohner.
Abgesehen von dieser thematisch orientierten Auswahl wird innerhalb der Ausstellung eine "Medien-Lounge" eingerichtet um BesucherInnen die Möglichkeit zu geben, weitere, nicht in der Ausstellung präsentierte Projekte über eine interaktiv steuerbare Projektion zu betrachten. Als Architekturausstellung kommt der Ausstellungsgestaltung, die dargestellte Raumvorstellungen unmittelbar
erfahrbar macht, besondere Bedeutung zu. Speziell für die Räume des Kunsthauses Meran hat Martin Josst vom Büro Delugan_Meissl ein Displaysystem entworfen, das nicht nur die Exponate, Medien und Materialien präsentiert, sondern dem "state of flux" auch räumlichen Ausdruck verleiht.
Dem netzwerkartigen Arbeitsprinzip des Büros mit verschiedensten Spezialisten entsprechend, übernimmt
der Graphik Designer Alois Schwaighofer, section d, Wien, die Gestaltung des visuellen Leitsystems durch die Ausstellung, während das Wiener Multimediastudio A+O, Althaler+Oblasser eine digitale Entsprechung von "state of flux" für das Internet entwickeln wird, die unter www.state-of-flux.org zu finden ist. Entwicklung und Aufbau der Ausstellung erfolgten in Zusammenarbeit mit einer Reihe von innovativen Unternehmen, die zur Realisierung dieser Personale nicht nur durch wertvolle Geld- und Sachleistungen, sondern vor allem mit ihrem hervorragenden Know-how wesentlich beigetragen haben.