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+Positive

Eröffnung: 10. September 2003
Dauer: 11. September 2003 - 11. Januar 2004
Künstler: Conrad Hendrik Botes, Canan Dagdelen, Weng Feng, Gugginger Künstler, Mona Hatoum, Jenny Holzer, Elisabeth Hölzl, Johanna Kandl, William Kentridge, Sabrina Mezzaqui, Peter Sandbichler, Franco Vaccari, Made Wianta
Kurator: Valerio Dehò

Kunst und Krieg unterhalten seit jeher eine enge Beziehung. Ihre Liaison gründet im Verhältnis beider zu Herrschaft und Macht, insofern Kunst und Krieg je deren Bilder produzieren und deren Auswirkungen erfahrbar machen.

Kriege sind entscheidende Motoren der Geschichte, der politischen und geopolitischen Strukturen, der Technowissenschaften und damit auch der Kultur. Die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts bis hin zu den allgegenwärtigen Krisenherden und zum globalen Terrorismus der Gegenwart zeigen, dass die Kulturentwicklung keineswegs eine des humanen Fortschritts ist, wie Sigmund Freud meinte. Vielmehr scheint das Phänomen der Gewalt und Grausamkeit der Zivilgesellschaft zuzugehören und ein Ausmaß an Tyrranei zu erreichen, das nicht nur ein Ausnahmezustand ist, sondern den Alltag jedes Bürgers/jeder Bürgerin bedroht. Jeder kann jeden Tag auf den Krieg treffen und vom Krieg getroffen werden. Von der Mode bis zur Pop-Musik, von den Produkten bis zu den Programmen sind Krieg und Gewalt Bestandteil des Alltags geworden, sodass vielleicht zu Recht vom "Krieg als Massenkultur im 21. Jahrhundert" (T. Holert/M. Terkessidis) gesprochen werden kann.

Die Kunst als reflexive Antwort auf jede Form von Wirklichkeit hat sich in ihrer Geschichte immer wieder am Phänomen des Schreckens und der Destruktion entzündet, die das menschliche Dasein nicht zuletzt mit der irreversiblen Wirklichkeit in Form des (möglichen) Todes konfrontieren.

Die 2. Biennale von kunst Meran stellt sich diesem Thema und sammelt ästhetischen Stellungnahme der Kunst als mögliche und notwendige Antwort auf die Bilder und Entwicklungen der Gegenwart. Insofern diese erschrecken und zugleich faszinieren, zeichnen sie immer schon einen engen Grat auf, den selbst jede Antikriegs-Kunst zu gehen hat.

+positive will den Krieg und seine Auswirkungen auf individuelle, künstlerische und kritische Impulse hinterfragen und darstellen. Die Möglichkeiten der jeweiligen Ausdrucksformen, die sich daraus ergeben, machen unterschiedliche Ansätze erkennbar, die sich in den Bereichen des Sozialen, des Individuellen und Spirituellen niederschlagen. Damit wird Kunst zur Plattform des humanitären Einsatzes ebenso wie zum Spiegel der psychischen und sozialen Veränderungen, die der Krieg hervorbringt.

Die Spiritualität scheint in den letzten Jahren zunehmende Prägnanz und Bedeutung zu gewinnen. Nicht zuletzt tritt sie als Antwort auf den kapitalistischen Materialismus der westlichen Welt zu Tage, der durch eine Wirtschaft angetrieben ist, die ständig nach größeren Profiten und neuen Verbrauchermärkten Ausschau hält. Die so erreichte ökonomische und politische Machtposition der westlichen Welt hat einen beträchtlichen psychischen wie auch intellektuellen Widerstand unter den Menschen ausgelöst und teilweise auf eine harte Probe gestellt. So haben sich auch viele der Gegenbewegungen der 90er Jahre zerschlagen und nicht nur eine politische Leere, sondern vor allem auch ein geistiges Vakuum hinterlassen.

Der Zynismus als Antwort auf die aggressive Gegenwart vermag wohl kaum konstruktive Lösungen zu bieten. Vielleicht sind gerade die Spiritualität und der Glaube an die Werte sozialen Zusammenlebens imstande, neue geistige, politische und kritische Aufbrüche zu markieren. Wenn sie sich mitunter auch gegen die konfessionellen und dogmatischen Vorstellungen der Weltreligionen darstellen, so drückt sich auch das Bedürfnis nach individueller Verantwortung jenseits religiöser Bindungen aus.

Parallel dazu wird das Interesse von Seiten der Künstler wach, aktiv im sozialen Bereich Stellung zu beziehen, indem sie Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung betreuen, Zeichen der Solidarität setzen, mit ihrer Kunst am Leid der gesellschaftlich Schwächeren teilnehmen und politisch-soziale Themen zum Inhalt ihrer Arbeit machen.

Krieg und Gewalt sind seit jeher Themen, an welchen sich der intellektuelle und kritische Impuls künstlerischer Arbeit entzündet hat. Doch gerade der weltweite Terrorismus und schier auswegslose kriegerische Auseinandersetzungen unserer Zeit fordern viele KünstlerInnen zu aktiven Stellungnahmen, die mit den Mitteln der Kunst die Verteidigung individueller, menschlicher und friedlicher Werte propagieren. Kunst wird damit zum Instrumentarium der Aufklärung, zum subversiven oder offensiven Versuch, gegen die Machenschaften von Gewalt und Freiheitseinschränkungen anzutreten.