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Gion Caminada

Eröffnung: 15. April 2005
Dauer: 16. April - 26. Juni 2005
Künstler: Gion Caminada
kuratiert von: Bettina Schlorhaufer

Architekturfotografie: Lucia Degonda, Zürich und Sumvitg/GR

Ein Ausstellungsprojekt mit Rahmenprogrammen und Begleitmonografie,

kuratiert von Bettina Schlorhaufer, Innsbruck

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer

Am Freitag, 15 April eröffnete Landesrat Florian Mussner in Meran die Ausstellung über den Graubündner Architekt Gion A. Caminada „Cul zuffel e l’aura dado“

Besonders deutlich wurde im Zuge der Eröffnung, dass der Rohstoff Holz und der Begriff der “Wertschöpfung” (das Ausgangsmaterial ist nicht besonders teuer, erhält aber durch die handwerkliche Bearbeitung und durch das an Tradition gebundene know how der Verarbeitung einen besonderen, ortsgebundenen Wert) sehr wichtig im Schaffen Caminadas sind und sowohl von Landesrat Mussner als auch von den Besuchern sehr positiv aufgenommen worden ist.

8. Hohe Wertschöpfung = viel Arbeit bei geringen Materialkosten  Die lokale Wirtschaft bildet die Existenzgrundlage der Peripherie. Beim Bauen nimmt die lokale Wirtschaft eine besondere Stellung ein, weil mit vor Ort vorhandenen Baumaterialien,  die in der Regel auch kostengünstig und umweltverträglich sind, gearbeitet werden kann. Wie überall ist die Arbeit bzw. die Bearbeitung kostenintensiv. Die Vergabe von Arbeit an  Bewohner der Peripherie ist aber wichtig. Das fördert das lokale Wirtschaftsleben und zugleich auch die regionale Baukultur.
(Auszug aus Caminadas “Neun Thesen für die Stärkung der Peripherie”)

Caminadas Bekenntnis zu Tradition, Einfachheit, hoher Funktionalität bei zugleich hohem ästhetischem Wert schienen ebenfalls ein Beispiel zu sein, dem auch Südtirol folgen sollte.

 

kunst Meran widmet seine im Jahresrhythmus stattfindende Ausstellung über Baukunst 2005 dem Graubündner Architekten Gion Caminada (Jg. 1957). Die Ausstellung steht in einem thematischen Naheverhältnis zur Veranstaltungsreihe .scapes von kunst Meran.

Gion Caminada ist einer der Hauptvertreter der aktuellen Schweizer Bauszene und erlangte international Ansehen, weil er sich seit etwa zehn Jahren mit seinem Heimatort Vrin in der Val Lumnezia beschäftigt. Dort fungiert er nicht nur als Architekt und Dorfplaner, sondern war auch auf politischer Ebene tätig. Sein architektonisches Schaffen begleitet eine intensive Auseinandersetzung mit den jeweils gestellten Bauaufgaben und den Bauplätzen seiner Projekte. In Hinblick auf seine Raumgestaltungen unternimmt Gion Caminada den Versuch, über konventionelle Lösungen hinaus zu architektonischen Ergebnissen zu gelangen, die zur Verbesserung der sozialen und urbanistischen Situation in der kleinen Gemeinde beitragen. In Vrin konzipiert er Lebens- und Arbeitsräume für Menschen – nicht selten auch für Tiere. Das so genannte „Modell Vrin“ hat Vorbildcharakter für alle europäischen Alpengebiete, daher wurde es 2004 mit dem renommierten Arge-Alp-Preis ausgezeichnet.

Die jüngst von Gion Caminada fertig gestellten Bauten sind ein Mädcheninternat in Disentis und ein Hotelumbau im Kurort Vals. Anhand beider Projekte lässt sich aufzeigen, was es mit dem rätoromanischen Titel der Ausstellung auf sich hat: „Cul zuffel e l’aura dado“ kann als „Architektur mit den Winden“ übersetzt werden. Die Schau steht also ganz im Zeichen von Luftbewegungen, die sich wie zwei höchst unterschiedliche programmatische Strömungen auf das Schaffen Gion Caminadas auswirken. Nachdem er für lange Zeit ausschließlich mit dem Werkstoff Holz und dessen in der Region Graubünden typischer Verarbeitungsweise zu „Strickbauten“ gearbeitet hat, gestaltet er – beeinflusst von seinen konstruktiven Erfahrungen im massiven Holzbau – nun Bauten, die mit ähnlicher künstlerischer Virtuosität in Ortbeton ausgeführt sind. In der Ausstellung werden die Bauten Gion Caminadas durchwegs anhand der Impressionen von Lucia Degonda vorgestellt. Seit vielen Jahren begleitet die Fotografin die architektonischen Projekte Gion Caminadas mit ihrer Kamera.

Zur Ausstellung ist die gleichnahmige Begleitpublikation (Quart Verlag Luzern, ISBN 3-907631-69-2) erschienen.

 

Disentis, Mädcheninternat „Unterhaus“, Veranstaltungsraum
Disentis, Mädcheninternat „Unterhaus“