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FROM & TO

Eröffnung: 03. Oktober 2008
Dauer: 04. Oktober 2008 - 04. Januar 2009
Künstler: Stealth, Paul Kos, Matthew Smith, Marit Victoria Wulff Andreassen, Anton Kannemeyer, Michael Fliri, Laurina Paperina, Stefano Cagol, Philipp Messner e Brigitte Niedermair
Kuratoren: Valerio Dehò, Denis Isaia

Vom 6. Oktober bis zum 6. Jänner 2008 präsentiert kunst Meran im Haus der Sparkasse die Ausstellung FROM & TO. Das von Valerio Dehó und Denis Isaia kuratierte Projekt entspringt dem Anliegen von kunst Meran, die Entfaltung der Künstler in der Region aus der Nähe zu fördern, indem man ihnen die Möglichkeit gibt, neue Beziehungen zu schaffen und sich mit dem internationalen Panorama zu messen. Hervorgegangen aus einem gemeinsamen Projekt von Letizia Ragaglia vom Museion und Sabine Gamper von der Ar/ge Kunst Galerie Museum, stellt die Initiative nur die erste Etappe eines Programms zur Unterstützung der lokalen Kulturproduktion dar, das immer organischere Züge annehmen soll.

Zentrale Zielsetzungen der Ausstellung sind die Zusammenarbeit und der Austausch. Fünf Künstler vor Ort (Michael Fliri, Laurina Paperina, Stefano Cagol, Philipp Messner und Brigitte Niedermair) haben je einen Künstler ausgewählt, dessen Tätigkeit sie schätzen, den sie jedoch nicht persönlich kannten, mit dem Ziel, vierhändig zu arbeiten oder alternativ dazu, neue Arbeiten zu einem gemeinsamen Thema zu präsentieren.

Michael Fliri hat Paul Kos eingeladen, einen vierundsechzigjährigen Künstler aus San Francisco, der in den Vereinigten Staaten als einer der Väter der konzeptuellen kalifornischen Richtung gilt. Für kunst Meran stellen Kos und Fliri zwei Arbeiten vor, die vor einigen Monaten während des frischen Sommers von San Francisco entstanden sind und Akustik und Titel (“I saw the light”) miteinander teilen: eine ideale gemeinsame Einflusssphäre, die beiden Teilnehmern die Wahrung der eigenen künstlerischen Identität garantierte, doch zu einer einzigen neuen Arbeit führte. Nähere Betrachtung verdient auch die Arbeit von Paul Kos, dem kunst Meran auch eine Hommage gewidmet hat, indem es eines seiner älteren Videos aus den 70’ er Jahren noch einmal zeigt. Seine Arbeiten erinnern stark an einige der großen Versuchsanordnungen jener Jahre - Bruce Naumann, um nur ein Beispiel zu nennen oder an die überzeugendsten Resultate eines anderen großen kalifornischen Künstlers: Jack Goldenstein. Ein instruktives Beispiel, um seine Kunstauffassung zu verstehen, ist die Einzelausstellung, die er für Leo Castelli umsetzte: Er übte sich ein Jahr lang im Billiardspielen, um dann, anlässlich der Ausstellung, drei Monate hindurch den regierenden Billiard-Champion der USA herauszufordern – mit dem Ziel zumindest eine Partie zu gewinnen. Naturgemäß endete das ganze mit null Punkten für Kos. Diese Vorstellung von „Nichtigkeit der Arbeit” ist absolut zeitgemäß. Man braucht nur an Las Vegas zu denken: Eine Stadt in der Wüste, die sich selbst unterhält oder an das, was wir heute “Customer Experience Management“ nennen. Wieder einmal waren die Künstler einen Schritt voraus und haben richtig gesehen.
Ein weiteres Künstlerpaar bilden Stefano Cagol und Stealth. Ersterer ist ein Künstler aus dem Trentino, der bereits auf eine internationale Laufbahn zurückblicken kann, bei zweiterem handelt es sich um eine Gruppe von niederländischen Architekten und Künstlern, die komplexe Studien zur Evolution und Entwicklung der Städte sowie allgemeiner der Organisationen anstellen. Stefano Cagol hat am Konzept des kollektiven Einflusses gearbeitet, mit einem Blick, der auf die großen Massenmedien gerichtet war: In den Räumen von kunst Meran stoßen wir auf alte Bekannte wie Onkel Sam oder die amerikanische Flagge, welche die Langlebigkeit einiger Symbole der Moderne versinnbildlichen. Die Stealth haben, ausgehend vom Konzept des Einflusses, eine „introspektive” Reflexion über kunst Meran und seine Geschichte in eine visuelle Sprache übersetzt. Der Gedankengang ist einfach: kunst Meran verfügt über keine Dauerausstellung (weshalb die Provinz die Institution nicht als Museum anerkennt, obwohl sie der AMACI – Associazione Nazionale dei Musei di Arte Contemporanea – angehört), sondern realisiert eine Ausstellung nach dem anderen. Dadurch wird das lokale Publikum kontinuierlich über Teilaspekte der zeitgenössischen künstlerischen Formensprachen informiert, woraus eine Arbeit entsteht, die „dem Gemeinwesen dient“. Die holländische Künstlergruppe projiziert auf den Boden des Museums die Schatten dessen, was in den letzten 6 Jahren in den Ausstellungsräumen zu sehen war, eine Art Reise durch die eigene Geschichte im Inneren des Museums selbst. Ein weiteres Künstlerpaar bildeten Matthew Smith und Philipp Messner. Der Prozess ihrer Zusammenarbeit ist besonders aufschlussreich, denn nach Monaten der gemeinsamen Tätigkeit hat Matthew Smith den Entschluss gefasst, die Zusammenarbeit nicht fortzusetzen, womit er einerseits ein Licht auf die Tatsache wirft, dass es für einige Künstler unmöglich ist, aus ihren Schemata auszubrechen, ohne die eigene Recherche zu gefährden, andererseits auf den Sinn der Ausstellung an sich. Die Ausstellung zeigt also, was die gemeinsame Arbeit für Philipp Messner bewirkt hat.

Laurina Paperina, eine junge Künstlerin aus dem  Trentino, die in jüngerer Zeit vor allem mit ihren sarkastischen Arbeiten über Bildschirmpersönlichkeiten auf sich aufmerksam gemacht hatte, hat einen südafrikanischen Comic-Künstler ausgewählt, der sich wie sie sehr kontroversieller Themen annimmt, wenn auch in einem viel problematischeren Umfeld, in dem Rassismus, Schulpflicht und ethnische Konflikte an der Tagesordnung stehen. Die Zusammenarbeit der beiden gewinnt Gestalt in einer großen vierhändigen Komposition. Sowohl im einen als auch im anderen Fall machen die Zeichnungen keinerlei Zugeständnisse und konfrontieren uns mit einigen ungelösten Problemen der Gegenwart. Brigitte Niedermair hat sich die Zusammenarbeit mit Marit Victoria Wulff Andreassen gewünscht, entstanden ist so ein rein weibliches Zweiergespann, das sich der Fragen und Gedanken rund um die sexuelle Befreiung annimmt, wie sie in den 70-er Jahren aufgeworfen worden sind. Das Ergebnis ist eine Reflexion über die weibliche Sexualität heute, die, auf derselben bitter-süßen Linie, die Anton Kannemayer und Laurina Paperina eröffnet haben, noch einmal Reflexionsfenster auf Ängste, Heranwachsen und Begehren wirft.

Den Abschluss des Projekts macht der Spezialauftritt von Stefano Bernardi, einem junger Künstler aus Bozen, der im Rahmen von kunst Meran die Möglichkeit bekommen wird, eine neue Installation umzusetzen und dem Publikum eine Kostprobe eines interessanten Werks zu geben: auf halbem Wege zwischen Klang, räumlicher Gestaltung und bildnerischer Arbeit.

Beteiligte Künstler:

 

Stealth (NL), auf Einladung von Stefano Cagol (I)

Paul Kos (USA), auf Einladung von Michael Fliri (I) 

Matthew Smith (GB), auf Einladung von Philipp Messner (I)

Marit Victoria Wulff Andreassen (N), auf Einladung von Brigitte Niedermair (I)

Anton Kannemeyer (SA), auf Einladung von Laurina Paperina (I)

Special Project,  Stefano Bernardi (I)