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DNArt - Gen.ethik und Visionen

Eröffnung: 15. Juni 2002
Dauer: 15. Juni - 27. Oktober 2002
Künstler: Julia Kissina, Bjørn Melhus, Milan Knizak, Larry Miller, Brian Reffin Smith et. al.
kuratiert von: Valerio Dehò

Partner: „Galleria Civica“ Trient

In Zusammenarbeit mit: Kunstakademie Urbino, Innsbruck und Care of Mailand.

Die Biennale

Die neuen Medien sind heute bereits Mittel der Alltagskommunikation. Jeder künstlerische Akt der Reaktion und der Suche nach neuen Ausdrucksformen geht von einer von den elektronischen Medien veränderten Wahrnehmung der Realität aus. Aus diesem Grund betrachten einige zeitgenössische Künstler die aktuellen technischen Möglichkeiten nicht als Endziel ihrer Betrachtungen sondern befassen sich vielmehr mit den von der Technik hervorgerufenen Veränderungen der Wahrnehmungsmuster.

Diese Biennale will jungen europäischen Künstlern, die mit verschiedensten, auch traditionellen Techniken arbeiten, einen Raum der Diskussion und des Vergleichs bieten. Das Verbindende bleibt dabei die Auseinandersetzung mit den elektronischen Medien unter dem Gesichtspunkt ihrer Fähigkeit die Realitätswahrnehmung und -erkenntnis zu beeinflussen.

Die große Bedeutung und Unersetzlichkeit der Technik in unsere Welt wird von dieser Kunst vorausgesetzt. Gerade deswegen bleibt die einzige Form des Widerstandes, sie sich anzueignen, sie ihrer ursprünglich inflationären und kommerziellen Zielsetzung zu entfremden und neu zu erarbeiten. Die Kunst will mit der Technologie nicht in einen aussichtslosen Wettstreit um Innovation treten, sondern sie mit Hilfe von Kreativität und Bewusstsein selbstkritisch und durchschaubar machen.

Aufgrund des engen Kontaktes zur Welt des Schauspiels und der Werbung hat sich die Kunst letzthin oft weit von einer kritischen Realitätsbetrachtung entfernt und gerade deswegen scheint das ethische und soziale Engagement der Künstler sehr wichtig. So soll diese Ausstellung im Gegensatz zu anderen wichtigen europäischen Projekten dieser Art keine der elektronische Kunst gewidmete Schau sein. Vielmehr wird das künstlerische Darstellungsvermögen der durch die globalisierte elektronische Kommunikation eingetretenen Veränderungen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.

Das Thema der 1. Biennale: Gen.Ethik und Visionen

Für den Auftakt dieser Ausstellung wurde ein Thema von großer ethischer Bedeutung ausgesucht.

Die rasante Entwicklung der Gentechnik in den letzten Jahren ist ein augenscheinliches Phänomen. Das Klonen, die künstliche Befruchtung, die Genmanipulation und die Aufzeichnung des DNA sind grundlegende Themen der öffentlichen Diskussion.

Auch zahlreiche Künstler haben sich bereits mit diesem Problem, das über die herkömmliche Beziehung von Kunst und Wissenschaft hinausgeht, auseinandergesetzt. DNArt_ GEN.ETHIK stellt nicht nur das, was als „wissenschaftliches Szenario“ bezeichnet wurde, in den Vordergrund, sondern auch das Problem der Verantwortung, der ethischen Verpflichtung der zeitgenössischen Kunst gegenüber uns alle betreffende Veränderungen. Überdies ist es Aufgabe der Kunst, mögliche Lösungen vorwegzunehmen oder Alarm zu schlagen, wenn es um die menschliche Zukunft geht.

Eine Werkstatt der Kreativität: Die erste Biennale von kunst Meran will der Gegenüberstellung von Ideen und formalen Lösungen Raum bieten, das Engagement jener aufzeigen, die am Zukunftsverständnis und -bewusstsein arbeiten.

Die Künstler:

Zur Biennale wurden europäische Künstler eingeladen, die zur Zeit im Rahmen des vorgeschlagenen Themas arbeiten. Europäische Medienwerkstätten und Medienarchive wurden ersucht, Vorschläge einzubringen.

Julia Kissina, Bjørn Melhus, Milan Knizak, Larry Miller, Brian Reffin Smith, Tyyne Claudia Pollmann, Andreas Horlitz, Elisabeth Wörndl, Lorenza Lucchi Basili, Julia Schrader, Suzanne Anker, Tobias Madörin, Annachiara Mongiello, Dominique Tirincanti, Salis & Vitangeli, Costantino Ciervo, Arnold Mario Dall’O, Alighiero & Boetti, Silvano Tessarollo, Karen Yurkovich, Santolo De Luca, Martin Kippenberger, Peter Kogler, Eduardo Kac, Paul Feichter, Myriam Laplante, Matteo Basilé, Ottmar Kiefer, Zvonka Simcic & Tanja Vujinovic, Karin Anderson, Andreja Kuluncic.

Die Sektionen der Ausstellung:

Das Double (Spiegelung, Klonung ,Teilung)

Transformation und Missbildung (Monster, Hybriden, lusus scientiarum)

Metaphern und Analogien (Darstellung der DNA als Sinnesverschiebung, die Semiotik als Darstellungsmodell der Welt von der Biologie zur Kunst)

Zielsetzung:

Die zeitgenössische Kunst beschäftigt sich seit jeher mit der Welt der Technik. Vierzig Jahre nach der Avantgarde, die die Massenmedien als künstlerisches Sprachrohr eingesetzt haben (wie beispielsweise Fluxus), stellen die Künstler der letzten Generation die eigenen Arbeiten in direkte Beziehung zu den durch die elektronische Kommunikation veränderten Ausdrucksformen. Es ist nicht notwendig, technische Mittel einzusetzen, um Arbeiten zu realisieren, es genügt die von ihnen in der Kommunikation und Alltagssprache hervorgerufen Veränderungen zu erkennen. Die Meraner Biennale verzichtet im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen darauf, die beinahe unbegrenzten Möglichkeiten der Technik zu  verherrlichen und will jegliche messeähnliche Präsentation der jüngsten technischen Errungenschaften - getarnt durch die Kreativität der Künstler - vermeiden. Die künstlerische Sensibilität hat allerdings in der Kunstgeschichte bereits des öfteren Themen von allgemeinem Interesse vorweggenommen.

Es ist wichtig das Programm bekannt zu machen, um neue Ideen und Projekte ausfindig zu machen und die ursprüngliche Ausstellungsidee gegebenenfalls zu erweitern. Der Hinweis auf Werke oder Künstler wäre auf jeden Fall auch hinsichtlich einer Dokumentation wichtig. Beabsichtigt wird in erster Linie, unveröffentlichtes Material zu zeigen.

Programmatisches Ziel von kunst Meran ist es, den Wirkungsradius des künstlerischen Geschehens zu dezentralisieren und ein regionales- und überregionales Kulturnetz zu schaffen. Dies wird durch die Zusammenarbeit mit der „Galleria Civica“ von Trient ermöglicht, die den Zugang zur Biennale einem breiten Publikum von Nordtirol bis Nord-Ost Italien öffnet.

Neben der Ausstellung wird es auch themenspezifische Begegnungen mit Wissenschaftlern, Literaten und Philosophen geben. Im Rahmen der Ausstellung wird in Absprache mit den Schulen ein entsprechendes Vermittlungsangebot erstellt.